Der Begründer des modernen Hörscreenings: Prof. Dr. Dr. h.c. Peter Plinkert

Plinkert S

„In Deutschland werden jedes Jahr ca. 1,2 von 1000 Kindern völlig taub geboren. Wenn man diese Fehlbildung mittles des modernen Hörscreenings frühzeitig erkennt, kann man allen betroffenen Kindern bereits nach den ersten Lebenswochen helfen, ein normales Leben mit Gehör zu ermöglichen!”

(thh) Peter Plinkert wurde 1956 in Lorch im Rheingau geboren fühlte sich schon früh zur Medizin berufen. Gleich nach dem Abitur absolvierte er ein humanmedizinisches Studium an der Georg-August-Universitäöt in Göttingen. Es folgten zahlreiche Stationen als Assitenzarzt und wissenschaftlicher Assistent an verschiedenen Kliniken und Institutren. An der Universitätsklinik Tübingen arbeitete er bereits an der Entwicklung des weltweit ersten implantierbaren Hörsystems TICA. Nach seiner Tätigkeit als ärztlicher Direktor der HNO und Prodekan der Medizinischen Fakultät der Universität des Saarlandes wurde er zum Direktor und Lehrstuhlinhaber der Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde des Universitätsklinikums Heidelberg berufen.
Er gilt als Mitbegründer der modernen Hörscreening-Technologie, die es ermöglicht, schon im Säuglingsalter völlig schmerzfrei und unkompliziert Hörfehler bei Neugeborenen zu diagnostizieren.
Dieses Verfahren gilt heute als Standard-Verfahren bei den frühkindlichen Untersuchungsmethoden und hilft jährlich vielen Kindern mit Taubheit, ein normales und gesundheitlich stabiles Leben zu führen.
Der sympathische Arzt sieht seinen Beruf als Mission für den Menschen. Er bedient sich dabei den modernen Technologien, die bei Diagnose und Therapie einzigartige Möglichkeiten bieten.
Als Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der “Deutschen Cholea Implant Gesellschaft”, ist er immer im Zentrum des Geschehens und wirkt intensiv an Weiterentwicklung der Implantationstechnik im Ohr mit.
Das Cochlea-Implantat ist eine technische Hörhilfe, deren Aufgabe darin besteht, die Funktion des Innenohres zu ersetzen. Diese Prothese ist für Erwachsene und Kinder geeignet, denen herkömmliche Hörgeräte kein Sprachverstehen (mehr) ermöglichen. Besonders bei hochgradig hörgeschädigten Erwachsenen und Kindern dient das CI als Basis für die Hör- und Sprachentwicklung.
Aber nicht nur hochtechnisierte Instrumente der Cochlea-Technologie gehören zu seinen Fachgebieten, sondern auch die Implantologie von kleinsten Ohrbestandteilen, wie Steigbügel, Amboss und Hammer sowie die moderne „Medikamentöse Tumortherapie” steht ganz oben in seinem Portfolio. Als Koryphäe der HNO-Medizin ist er ein wichtiger Bestandteil des anerkannten internationalen Renommees der Universitätsklinik Heidelberg.

 

Angeborene Schwerhörigkeit und Ertaubung – was nun?

Die Häufigkeit und Schwere einer angeborenen, oder in früher Kindheit erworbenen Hörminderung, wird häufig unterschätzt. Bei genauerer Betrachtung handelt es sich jedoch um die häufigste angeborene Erkrankung. In Deutschland kommen auf 1000 Geburten ca. 1,5 vollständig ertaubte Säuglinge. Bei mehr als 100.000 Geburten in Baden-Württemberg sind dies jährlich ca. 150 taube Neugeborene. Hinzu kommt eine weitaus größere Zahl mittel- bis hochgradig Schwerhöriger. Bei einer frühzeitigen Erkennung kann den betroffenen Kindern jedoch zuverlässig und wirkungsvoll geholfen werden. Bei adäquater Therapie sind sie in der Lage, wie jedes andere gesunde Kind, eine lautsprachliche Kommunikation zu erlernen. Benachteiligungen in der Schule, dem Beruf oder in einer akademischen Ausbildung werden damit weitgehend vermieden.

Entscheidend ist es, eine Hörstörung unmittelbar nach der Geburt zu erfassen. Dies gelingt mit einer schonenden, nicht belastenden und schnellen Untersuchungsmethode, die von Prof. Peter Plinkert bereits 1990 beschrieben wurde. Es handelt sich hierbei um die Messung von sogenannten otoakustischen Emissionen, kurz OAE genannt. Durch kurze akustische Stimuli werden die Hörsinneszellen (äußere Haarzellen) des Innenohres aktiviert und diese reagieren ihrerseits mit einer Schallaussendung („Kemp-Echo“), die diagnostisch genutzt wird. Das Ohr weist damit eine herausragende Eigenschaft auf. Es kann nicht nur Schall aufnehmen, sondern auch aussenden. Das abgestrahlte Schallsignal wird über Verarbeitungsalgorithmen analysiert und der behandelnde Arzt ist in der Lage die Funktion des Gehörs zuverlässig, unmittelbar nach der Geburt und ohne Belastung des Säuglings zu überprüfen.

Entscheidend ist es allerdings, dass diese Emissionsmessung kurz nach der Geburt durchgeführt wird. Nur dann kann die erforderliche Therapie rechtzeitig erfolgen. Bei verspäteter Diagnose resultieren irreparable Schäden, da die Plastizität des neuronalen Systems (Ausreifung der Hörbahn) abgeschlossen ist.
Nach jahrelanger Gremienarbeit wurde das Untersuchungsverfahren (OAE-Messung) mittlerweile vom Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA-Beschluss vom 01.01.2009) verpflichtend in die Regelversorgung eingeführt (Hörscreening). Der Geburtshelfer in Klinik und Praxis ist heute verpflichtet die OAE unmittelbar nach der Geburt zu messen, oder zu veranlassen und im „gelben Untersuchungsheft“ für Kinder auch zu dokumentieren. Durch dieses Hörscreening ist es möglich in Deutschland jährlich ca. 1000, bezogen auf Baden-Württemberg ca. 150 Kinder mit einer gravierenden Hörstörung so frühzeitig zu behandeln, dass für sie eine Lautsprachentwicklung und damit eine weitgehend unbeeinträchtigte soziale und berufliche Entwicklung möglich ist.

Bei der Evaluation der verschiedenen Screening-Programme in Deutschland zeigte sich jedoch, dass ein Hörtracking (Anmahnung bestätigender Kontrolluntersuchungen) essentiell für den Erfolg des Hörscreenings ist. Geschieht das Hörtracking nicht, werden bei 40-50 % der Kinder mit auffälligen Screening-Befunden diese nicht überprüft. Alleine für Baden-Württemberg blieben folglich jedes Jahr ca. 70 Kinder taub oder hochgradig schwerhörig. Diese Kinder profitieren nicht vom Screening und werden in ihrer Entwicklung dauerhaft benachteiligt. Mit einem Hörtracking werden jedoch 95 % der im Screening auffälligen Befunde zeitnah und erfolgreich abgeklärt. Dies betrifft ganz besonders Kinder aus sozial benachteiligten Verhältnissen und/oder mit Migrationshintergrund.

Gemeinsam mit dem Ministerium für Soziales und Integration des Landes Baden-Württemberg, Dr. Ingo Bruder von der Geschäftsstelle für Qualitätssicherung im Krankenhaus, dem Institut für Qualitätssicherung im Gesundheitssystem (QiG BW) und Prof. Georg Friedrich Hoffmann (Direktor des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin, Universitätsklinikum Heidelberg), hat Professor Plinkert eine Hörtracking-Zentrale für das gesamte Bundesland Baden-Württemberg mit Sitz in Heidelberg aufgebaut. Es hat seine Arbeit am 01. Januar 2019 aufgenommen. Ziel der Hörtrackingzentrale ist es Kinder, mit einer permanenten angeborenen Hörstörung bis zum Alter von drei Monaten, abschließend zu diagnostizieren. Es erhebt sich natürlich die Frage, welche Konsequenzen sich aus dieser Diagnostik ergeben. So können mittel- bis hochgradig schwerhörige Kinder zunächst ebenfalls frühzeitiger mit einem Hörgerät versorgt werden. Mit der Therapie ist spätestens bis zum sechsten Lebensmonat zu beginnen. Der Zeitpunkt kann den einen oder anderen möglicherweise überraschen. Aber die frühe Behandlung ist entscheidend, da später die Hörbahn-Reifung abgeschlossen ist. Bringt eine Hörgeräte-Versorgung bei hochgradiger Schwerhörigkeit keinen ausreichenden Erfolg, oder liegt eine ein-und/oder beidseitige vollständige Ertaubung vor, ist die Versorgung mit einem Cochlea Implantat (CI) - siehe Abb. oben- bereits im 10. bis 12. Lebensmonat erforderlich. Die Vorteile der Cochlea Implantat Versorgung gehen weit über die alleinige Versorgung von Kindern hinaus. Auch Erwachsene mit einseitiger und/oder beidseitiger hochgradiger Schwerhörigkeit können mit diesen Hörimplantaten versorgt werden. Kennen wir nicht alle die Situation, dass ein Schwerhöriger unzufrieden ist mit der Hörgeräteversorgung. Vielfach ist die Sprachverständlichkeit trotz Hörgerät unzureichend und der Betroffene ist von der Kommunikation „abgeschnitten“ und fühlt sich ausgegrenzt. Er zieht sich zurück. Hierunter leidet auch die Aufmerksamkeit und es droht eher ein geistiger Abbau. Auch in diesen Fällen hilft eine CI-Versorgung.

Darüber hinaus lassen sich quälende Ohrgeräusche positiv mit einem CI beeinflussen. Der Faktor „Zeitpunkt” der Implantation spielt bei Erwachsenen eine wesentlich geringere Rolle, da der Patient ja früher hörte und die Hörbahn sich darum voll entwickeln konnte. Eine Implantation ist darum grundsätzlich bis ins hohe Alter möglich. Bei Vorerkrankungen kann der Eingriff sogar in lokaler Betäubung erfolgen.
Die Einführung der otoakustischen Emissionen in das Hörscreening, das landesweite Hörtracking in Baden-Württemberg und die CI-Versorgung sind eine spannende Erfolgsgeschichte um den Kindern in unserer Gesellschaft einen guten Start zu ermöglichen.

Hörimplantat schenkt neue Lebensfreude
Schon Kant sagte: „Nicht sehen trennt von den Dingen, nicht hören von den Menschen“. Neben dem schlechten Hören leiden die Betroffenen meist auch noch in anderer Weise. Sie ziehen sich völlig aus dem gesellschaftlichen Leben und ihrem Umfeld zurück, mancher leidet sogar unter Depressionen.

Genau so erging es Gerhard Roth. In einem ersten Schritt wurde er mit Hörgeräten versorgt und suchte sich psychologische Unterstützung. Doch als auch die stärksten Hörgeräte nicht mehr weiterhalfen, war klar, dass er etwas verändern muss. Damals erfuhr er zum ersten Mal von sogenannten Cochlea-Implantaten (CIs). CIs bestehen aus einem Implantat, das bei einem chirurgischen Routine-Eingriff unter der Haut platziert wird und einem Audioprozessor, den der Patient hinter dem Ohr trägt.
Schon seit ein paar Jahren ist Gerhard Roth nun beidseitig mit CIs versorgt, kann wieder Hören, unterstützt ehrenamtlich viele Projekte mit hörbehinderten Kindern und hat sogar eine Selbsthilfegruppe für Menschen mit Depressionen gegründet. Damit andere schneller den Weg zum neuen Hören finden, engagiert er sich darüber hinaus für die Online-Plattform hörpaten.de. Dort können Betroffene direkt mit verschiedenen Hörimplantat-Nutzern per Mail Kontakt aufnehmen und erhalten so Informationen aus erster Hand. „Hören mit CI macht einfach Laune! Heute stehe ich wieder mitten im Leben. Das ist unglaublich und unbezahlbar“, sagt der Rentner und freut sich, dass er auch die ersten Worte seines Enkelkindes problemlos hören konnte.

Mehr Informationen und Beratung erhalten Sie über hörpaten.de oder Sie wenden sich direkt an den führenden Hersteller von Hörimplantaten MED-EL.
Kontakt: Telefonisch erreichen Sie MED-EL gebührenfrei unter 0800 077 03 30 und per Mail unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Oder rund um die Uhr im Internet: www.medel.de