Sascha Krebs - der “TausendSascha” aus Sandhausen

 

Das „Capitol“ Mannheim betrachtet er als zweites Wohnzimmer. Denn im Eventhaus am Alten Meßplatz gilt der Sänger und Schauspieler Sascha Krebs als eine feste Bank im Bühnenensemble. „Einer flog übers Kuckucksnest“, „Jailhouse Blues“, „I Want It All“, „The Wolf with The Red Roses“, „Hair“, „Jesus Christ Superstar“, „Evita“, die genaue Zahl seiner Auftritte in Musicals und anderen Performances hat niemand aufgeschrieben. Die Charaktere und Kostüme mögen recht unterschiedlich sein, der Künstler selbst bleibt sich optisch seit Jahrzehnten treu: unkonventionelle Kleidung und lange Mähne. Mit dieser "Matte" könnte Krebs locker sogar Bülent Ceylan darstellen, auch so ein Mannheimer "Exportschlager", der dem Capitol einiges zu verdanken hat. Mit dem Stimmumfang von über drei Oktaven kommt der Vocalist aus dem beschaulichen Sandhausen seinem großen Vorbild Freddie Mercury von „Queen“ sehr nahe. Zufall? Nein, denn „Queen“, die britische Band mit ihrem extravagenten Frontmann, spielt eine nicht unwesentliche Rolle in der Karriere des Vegetariers. 

Mit den Vampiren getanzt

Seit der ersten Stunde des legendären Tribute-Musicals "We will rock you" hat der heute 43jährige die Bretter im deutschen Sprachraum gerockt. Wahrscheinlich könnte er inzwischen locker einen "Konzerthausführer" schreiben. Auf derart vielen Bühnen hat er in kürzester Zeit den „Khashoggi“, “Bap“ oder „Brit“ gegeben. Diese erstaunliche Verwandlungsfähigkeit sucht im Genre ihresgleichen. In über 1200 Aufführungen von Köln bis Wien von München bis Hamburg und sogar im renommierten Berliner Theater des Westens schlüpft das ambitionierte Multitalent in die unterschiedlichsten Hauptrollen. Gut ein Drittel seines bisherigen Künstlerlebens bleibt er dem Engagement in der gefeierten Rockoper treu. Ein guter Lehrmeister für den jungen Musiker wird schon Ende der Neunziger Jahre seine Zeit im "Tanz der Vampire". In Wien erntet Krebs als Herbert, schwuler Sohn des Grafen von Krolock, wahre Jubelstürme. Die Erfahrungen im Raimund-Theater seien mit Blick auf den Rummel um Stars heftig gewesen. "Die Fans standen jeden Abend schon am Hinterausgang", erinnert er sich. Und hat der Ruhm damals oder heute mit der Rockband seinen Charakter verändert? Sascha Krebs winkt ab: "Wer mich kennt, weiß, dass ich immer mit beiden Beinen auf dem Boden bleibe“. Die ungebrochene Begeisterung für den Sound von „Queen“ - auch lange über das Ende der Trendsetter hinaus - beschreibt Krebs im Gespräch mit dem TOP Metropoljournal so: "Diese Musik ist gerade für einen Sänger eine der größten Herausforderungen. Dann kommt noch dazu, dass Freddie Mercury einer der wichtigsten Gründe für mich war, überhaupt ein professioneller Sänger zu werden. „Queen“ haben über die Jahre sehr, sehr unterschiedliche Nummern geschrieben. Von den Anfängen, wo es sehr rockig und progressiv zuging, über die radiotauglichen Nummern wie „The Show must go on“, „A Kind of Magic“, “I Want It All“ bis zu den ganz sensiblen Stücken „Nevermore“ oder „Love of my life“ spannt sich ein bunter Bogen. Da kann ich mit meiner Stimme alle Facetten zeigen". Dass der ambitionierte Allrounder seit nunmehr fast drei Jahren als Frontmann der wohl besten deutschen Queen-Tribute-Formation schleudert, ist sicher kein Zufall, eher genetisch bedingt. "The Queen Kings legen immer auch Wert drauf, gerade die unbekannteren Perlen zu spielen, Lieder wie „The Prophet’s Song“ oder „The March of the Black Queen“.  Die bundesweiten Gigs mit den „Queen Kings“ nehmen momentan einen großen Raum in der akribischen Zeitplanung ein. Bis zu 100 Konzerte im Jahr und ein eigener Fanclub sagen viel über die Qualität der Band und ihres Sängers aus.

Ein kleiner Chor in Sandhausen wird zur Keimzelle des Erfolgs und führt den Jugendlichen, der damals fleißig Akkordeon übt, zum ersten Mal in die Sphären der gesungenen Musik. "Aber meine Stimme ist sehr leise damals und taugt noch nicht zum Solisten, obwohl mich mit 16 Jahren eine Aufführung von "Hair" im Rosengarten umgehauen hat", blickt er schmunzelnd zurück. Aber das lässt sich ändern und er nimmt in Leimen Gesangsunterricht bei einem Opernsänger. Mit einem guten Ergebnis: nach dem Abitur reicht das Stimmvolumen für die Aufnahmeprüfung an der Stage School von Hamburg. Und wie haben die Eltern die künstlerischen Ambitionen gesehen? „Meine Eltern haben mich auf meinem künstlerischen Weg immer unterstützt, auch finanziell“, sagt der "Tausendsascha" und bei diesen Worten klingt Freude und Stolz mit. Aber es kommt ganz anders als erwartet. Die Ausbildungszeit an der Alster bricht er bereits nach einem Jahr ab, denn Krebs erhält eine einmalige Chance: bei den Freilichtspielen in Tecklenburg kann er sich im Hippie-Musical Hair erste Sporen verdienen. Bis heute hat er deshalb die Liebe für sein "Sprungbrett“ Tecklenburg erhalten. Nach dem „haarigen“ Auftritt folgen Gastspiele in der "Rocky Horror Show", "Hello Dolly", "Jesus Christ Superstar“ oder „Dracula“. Und der Junge aus Nordbaden prägt seit der Jahrtausendwende das jährliche Galakonzert in Tecklenburg mit. Bald wird aus der reinen Revue ein echtes Pop-Rock-Happening an Pfingsten, mit dem sich Krebs bis zum heutigen Tag eng verbunden fühlt. Quasi Dauergast ist er auch in der Show „Rock meets Classic“. Dort tourt er mit Giganten wie Mick Box von Uriah Heep, Midge Ure von Ultravox oder Ian Gillan von Deep Purple und Alice Cooper. "I was listening to you today – you sing like a motherfucker“, sagt Nazareth-Sänger Dan McCafferty direkt nach einer Vorstellung zu ihm. Und das ist keineswegs negativ gemeint.

„Sascha ist ein feiner Kerl geblieben“

Der Chef des „Capitols“, Thorsten Riehle, drückt sich weniger drastisch aus, teilt aber die Wertschätzung für den vielseitigen Sandhäuser: Sascha Krebs gehört zum Haus, wie der Wasserturm zu Mannheim. Er stand bei zahlreichen Produktionen bereits auf der „Capitol“-Bühne. Legendär ist seine Judas Interpretation in Jesus Chris Superstar 2001, da war er der eigentliche Star des Musicals. Er hat dieser Rolle so viel Tiefe und Wahrhaftigkeit verliehen, dass die Besucher regelmäßig in Tränen ausgebrochen sind, als sich Judas erhängt hat. Das liegt nicht zuletzt an seiner unglaublichen Bühnenpräsenz. Als Kollege ist er professionell und immer auf den Punkt vorbereitet. Und obwohl er an den großen Häusern und mit verschiedenen Produktionen in den großen Arenen tourt, ist er kollegial und hilfsbereit geblieben. Er ist ein feiner und zuverlässiger Kerl, der zu seinem Wort steht. Das ist in einer Branche, in der oftmals der Schein das Sein bestimmt, eine wohltuende und positive Eigenschaft. Wir haben Sascha viel zu verdanken. Mit seinen Kontakten hat er unsere Musicalshows bereichert und es uns ermöglicht, mit den großen Stars der Branche zusammenzuarbeiten. Ohne ihn würde das „Capitol“ heute anders aussehen, das Programm nicht so vielfältig und abwechslungsreich sein.“

Nach wie vor gastiert Sascha Krebs deshalb hier in den unterschiedlichsten Rollen. Ein Terminblocker für Musikfans bleibt "Sacha im Quadrat", wenn er einmal im Monat mit unterschiedlichen Gästen das Casino des Eventhauses wackeln lässt. Nicht zuletzt in den Eigenproduktionen am Alten Messplatz - wie unlängst "Karl Drais - die treibende Kraft" - jene Hommage an den Erfinder des Fahrrades, gibt der Verwandlungsexperte als festes Mitglied der Theatergruppe seine musikalische Visitenkarte ab. Besser noch: er gehört seit September 2002 zum lebenden Inventar des Konzerttempels in der Mannheimer Neckarstadt. Damals debütiert er als Judas in Jesus Christ Superstar. Nur weniger Wochen später beweist er sein Talent erneut. Im Dschungelbuch übernimmt er die Rolle des „Shir Khan“. Der abendliche Applaus vor heimischem Publikum gibt ihm Auftrieb. Er bewirbt sich für „We will rock you“, das vor seinen Siegeszug durch die deutschen Konzertlandschaft steht und wird in die Cast aufgenommen. Von nun an steigt die Erfolgskurve und er sieht seine Heimat seltener.

Apropos Heimat. Sascha Krebs wohnt inzwischen in Mannheim und ist ein bodenständiger Mensch geblieben. Das erklärt auch, warum er der Spielstätte an den Straßenbahngeleisen die Treue hält. Es gefällt ihm, dass das „Capitol“ schon seit jeher seriös und planvoll arbeitet und wirtschaftet. Auch werde keiner übermütig, wenn eine Produktion einen Lauf habe. Alle Akteure hätten viel künstlerische Freiheit und nicht zuletzt stimme die Chemie unter den Mitwirkenden. Zum Mannheimer Team zählt bisweilen auch seine Partnerin Doris Marlis, mit der Sascha Krebs seit 15 Jahren zusammen ist. Und im zweiten Wohnzimmer des Kurpfälzers hat die renommierte, international erfolgreiche Choreografin das Publikum mit ihren Arbeiten für „The Wolf With The Red Roses“, „Hair“ und „Karl Drais, die treibende Kraft“ oder „Evita“ beeindruckt.

 

Bericht: Wolf H. Goldschmitt

Fotos: Thomas Henne