„Science-Manager” in der modernen Museumswelt

Rosendahl S

Wilfried Rosendahl neuer Generaldirektor der Reiss-Engelhorn-Museen

(thh) Professor Dr. Wilfried Rosendahl wird ab 1. Januar 2021 neuer Generaldirektor der Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim (rem). Das hat der Gemeinderat in nichtöffentlicher Sitzung beschlossen.
Er folgt auf Professor Dr. Alfried Wieczorek, der nach rund 30-jähriger Tätigkeit in den Reiss-Engelhorn-Museen – davon ab 1999 als leitender Direktor und seit 2009 als deren Generaldirektor – Ende 2020 in den Ruhestand geht. Rosendahl sagt zur Entscheidung: „Ich danke für das entgegengebrachte Vertrauen und freue mich sehr darauf, die Reiss-Engelhorn-Museen – einen der bedeutendsten Museumskomplexe Deutschlands – zusammen mit einem hoch engagierten Team in die Zukunft führen zu dürfen.“

Wilfried Rosendahl, geboren 1966 in Ratingen, studierte von 1986 bis 1992 Geologie, Paläontologie, Ur- und Frühgeschichte und Zoologie in Köln. 1994 schloss seine Promotion daran an. Von 1994 bis 1996 absolvierte er ein Volontariat am Hessischen Landesmuseum im Darmstadt. Aufbauend auf die wissenschaftliche Beschäftigung mit der eiszeitlichen Tierwelt Mitteleuropas, folgte von 1996 bis 1998 die Mitarbeit in einem EU-Projekt zur pleistozänen Umwelt am Institut für Paläontologie der Universität Bonn. Von 1998 bis 2003 war er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Assistent am Institut für Angewandte Geowissenschaften der TU-Darmstadt mit dem Forschungsschwerpunkt Mensch, Klima und Umwelt mit speziellen Focus auf Höhlen und Höhleninhalte tätig. In diesen Jahren war Rosendahl weiterhin als externer Kurator an verschiedenen Museen im In- und Ausland tätig.
Bereits seit 2004 ist Rosendahl in verschiedenen Positionen in den Reiss-Engelhorn-Museen tätig. Seit 2016 ist er Direktor für den Bereich „Archäologie und Weltkulturen“ sowie seit 2017 stellvertretender Generaldirektor für den gesamten Museumskomplex. Darüber hinaus ist er Wissenschaftlicher Vorstand und Geschäftsführer des Curt-Engelhorn-Zentrums für Archäometrie und Honorarprofessor am Historischen Institut der Philosophischen Fakultät der Universität Mannheim.

Im Rahmen seiner vielfältigen Tätigkeiten in den Reiss-Engelhorn-Museen war er unter anderem Projektleiter und Kurator verschiedener großer Sonderausstellungen wie beispielsweise „Schädelkult“ (2011), „Die Medici – Menschen, Macht, und Leidenschaft“ (2013) und „Javagold – Pracht und Schönheit Indonesiens“ (2019). Ebenso gehören zahlreich Kinder- und Familien-Mitmachausstellungen zu seinem Aufgabenschwerpunkt, darunter „Total genial – coole Erfindungen vom Faustkeil bis zur Jeans“ (2017) oder „Alles mit der Zeit“ (2019). Seit 2004 leitet Rosendahl das „German-Mummy-Project“, ein großes, interdisziplinär und international aktives Mumienforschungsprojekt.

Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz zur Personalie: „Die Reiss-Engelhorn-Museen stehen für wissenschaftlich fundierte und zugleich publikumsorientierte Ausstellungen und eine familienfreundliche Ausrichtung. Sie sind überregional und international als Ort der Bildung, Unterhaltung und Forschung anerkannt. Ich bin davon überzeugt, dass es Wilfried Rosendahl gelingt, diese ausgezeichnete Positionierung in der Museumslandschaft weiter auszubauen und die Verbindung der rem mit den wichtigen Themen der Stadtentwicklung noch weiter zu vertiefen.“

Kulturbürgermeister Michael Grötsch: „Wilfried Rosendahl ist ein ausgesprochen kompetenter und sehr erfahrener Kenner aller Bereiche der Reiss-Engelhorn-Museen. Er verfügt nicht nur über vielfältige wissenschaftliche Expertise, sondern hat sich ebenso in Führungsaufgaben mit Personal- und Budgetverantwortung bewährt.“

Die Reiss-Engelhorn-Museum in Mannheim
In den drei Häusern der Reiss-Engelhorn-Museen werden wechselnde Sonderausstellungen sowie die eigenen reichen Sammlungen präsentiert. Hierzu gehören: das Museum Zeughaus, das Museum Weltkulturen und das Bassermannhaus. Im künftigen Peter und Traudl Engelhornhaus, sollen in Zukunft die Themen Glaskunst und Fotografie präsentiert werden.

Die Reiss-Engelhorn-Museen vereinen zahlreiche Sammlungen – das Spektrum reicht von Archäologie und Ägypten über Naturkunde und Kunst- und Kulturgeschichte bis hin zu Fotografie. In den rem kann man auf Zeitreise gehen von der Steinzeit über das Reich der Pharaonen und das antike Griechenland, bis an den prunkvollen Hof der Kurfürsten und in die aufstrebende Industriemetropole Mannheim um 1900. An den Reiss-Engelhorn-Museen werden über 1,2 Millionen Objekte gesammelt, bewahrt, erforscht und vermittelt.
Zu den rem gehören renommierte Forschungseinrichtungen und -projekte, wie das Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie und das German Mummy Project. Aktuell arbeiten 126 Mitarbeiter in den rem.

„Geschichten erzählen, statt verstaubte Vitrinen ausstellen”
„Eine Ausstellung ist immer Teil des Museum, aber dazu gehört weitaus mehr, nämlich das Sammeln, Bewahren, das Forschen und natürlich auch das Präsentieren! Aber wir stellen heute nicht mehr verstaubte Vitrinen in einen Raum, sondern wir sind vielmehr zu Science-Managern und Science-Entertainern geworden und nutzen alle Möglichkeiten modernster Medientechnik”, so fasst der neue Chef der rem, Wilfried Rosendahl, das Credo der modernen Museumsarbeit zusammen.

Heute hat man, gerade wenn man Ausstellungen aufbaut, mit großen Stiftungen, Drittmittel- und Leihgebern zu tun und so kommt dann auch eine Menge Bürokratie ins Spiel, die Rosendahl aber bereits aus seiner langjährigen Erfahrung an den rem perfekt beherrscht. „Unser Museum ist ein kompliziertes Konstrukt, das man nicht auf Anhieb versteht- da muss man sich reinarbeiten”, so beschreibt Rosendahl das große Gebilde, das sich in den vergangenen Jahren nicht nur im musealen Ausstellungsbereich, sondern auch in der Forschung international einen anerkannten und fachkompetenten Namen gemacht hat. So kommen heute Kooperationen mit großen Häusern in der ganzen Welt zustande, da man hier in Mannheim Forschungsarbeiten leisten kann, die sonst nirgends möglich sind.

Mit dem Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie und dem German Mummy Project gehören die rem zur Weltspitze und so kommt es immer häufiger vor, dass die Köpfe der rem auch im Fernsehen bei wissenschaftlichen Forschungsprojekten zu sehen sind und somit auch den guten Ruf der Forschungseinrichtungen in die Welt tragen. So geschehen beispielsweise bei der Erforschung der Medici-Gräber in Florenz, wo Wilfried Rosendahl vor Ort dabei war und so auch in einem Beitrag der ZDF-Serie „Terra X” zu sehen war.

Rosendahl will und wird die begonnenen Strategie seines Vorgängers, Prof. Alfried Wieczorek, fortführen und weiter perfektionieren. „Das Museum ist kein klassischer Belehrungsraum mehr, wie in den 60er Jahren. Bei uns kommt es heute zu Begegnungen mit neuen Welten, das spielerische Erleben von Geschichte und Geschichten macht unsere Arbeit zu einem nachhaltigen Aufbau von Lern- und Erlebniswelten. Dazu gehört auch das Lernen durch Interaktionen der Besucher. Wir sind heute Geschichtenerzähler!”, so Rosendahl weiter. Dabei wird auch nicht außer Acht gelassen, dass man konservatorisch und sammelstrategisch in den rem das historische Erbe der Stadt Mannheim verwahrt und vermittelt.

Die Sonderausstellungen, die zum Teil von Mannheim aus auch um die Welt gingen, besonders erwähnt seien dabei die Mumien-Ausstellungen, bringen nicht nur immer wieder frischen Wind die hehren Hallen der rem, sondern sie ermöglichen auch immer weiterführende Forschungen und daraus resultierende neue Erkenntnisse.

Rosendahl erzählt schon ganz begeistert von den neusten Forschungsarbeiten zu der nächsten großen Ausstellung „Klimasafari”, die ab April 2021 zu sehen sein wird: „Wir präsentieren da unsere Forschungsergebnisse, von denen wir nicht erwartet hatten, dass es so etwas gibt. Gezeigt werden unter anderem lebensgroße Tiermodelle von Löwen und Mammuts, die einst hier in der Rheinebene gelebt haben. Das wird sehr spannend und unserer Besucher werden staunen, was es alles Neues zu erleben und zu erfahren gibt...” So macht Rosendahl schon einmal Appetit auf das nächste Jahr.

Gemeinsam mit seinem tollen Team, wie er sagt, möchte er die rem in die Zukunft führen. Diversität ist für Rosendahl besonders wichtig und dient als Grundlage für ein Haus, das immer neu und spannend bleibt und die Neugier der Besucher aller Altersklassen weckt. „Wenn wir gewusst hätten, was mit Corona auf uns zukommt, hätten wir auch eine Masken-Ausstellung erarbeiten können. Wir haben nämlich eine sehr große Maskensammlung” fügt Rosendahl augenzwinkernd hinzu.
Aber ohne Scherz: Gegenwartsbezüge sind wichtig und bauen immer wieder Brücken zwischen längst vergangenen Zeiten und der Welt, in der wir leben. Das senkt Hemmschwellen und vermittelt Interessantes zu bekannten Dingen und Sachverhalten. Die Menschen lernen auf diese Weise vieles zu verstehen.

„Wir sind ein Haus der Stadt und als Museum letzen endes die einzige Institution, wo man authentische Geschichte in 3-D sehen und manchmal sogar anfassen kann. Sicherlich haben sich die Menschen schon sehr an Computeranimationen auf höchstem Niveau gewöhnt, aber bei uns stehen die Menschen live vor einem Exponat und können es in seiner ganzen Pracht, Schönheit und Aussagekraft bestaunen und selbst ein wenig die Geschichte hinter der bloßen Materie erkunden. Die rem sind lebendige Museen und bieten einzigartige Erlebniswelten für alle Zeiten der Erdgeschichte. Wir müssen zuhören, was die Menschen wollen, wir müssen hinaus und das Museum auch zu den Menschen bringen. Deshalb sind wir auch immer dabei, wenn in Mannheim zum Stadtfest gerufen wird, oder auch bei zahlreichen weiteren Veranstaltungen sind wir gerne vor Ort und bringen unsere Museen mit viel Engagement und Begeisterung hinaus in die Welt. Wir müssen neue Wege gehen, um die Neugier der Menschen immer wach zu halten. Nur so kommen die Besucher auch mehrmals in unsere Häuser und lassen sich immer wieder aufs Neue verzaubern! Die Arbeit der rem ist immer irgendwie politisch, denn sie orientiert sich am Zeitgeist und der Gesellschaft und muss sich somit auch immer wieder neu erfinden.” so Wilfried Rosendahl, der neue Generaldirektor der Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim, der mit einer großen Portion Enthusiasmus und Energie sein neues Betätigungsfeld angehen und die rem in eine sichere und stabile Zukunft führen wird.