30 Jahre TECHNOSEUM Mannheim

30 Jahre LTA S

(thh) Am 28. September 1990 öffnete das damalige Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim erstmals seine Türen für Besucherinnen und Besucher. Lothar Spät, Baden-Württembergs damaliger beliebter Ministerpräsident, zerschnitt das Band und öffnete das neue Vorzeigehaus auf dem einstigen Maimarktgelände.
Das extravagante Gebäude, das die Berliner Architektin Prof. Ingeborg Kuhler nach gewonnenem Architektenwettbewerb entworfen hatte, polarisierte zunächst Mitarbeiter und Bevölkerung. Die impulsive und temperamentvolle Architektin erdachte nicht nur eine einzigartige Fassade und ein faszinierendes Innenleben, sondern auch kleinste Details, wie Türklinken, Geländer und Fentser.

Keine Steckdose durfte ohne ihr Einverständnis installiert werden, was dazu führte, dass Spötter das Haus lange Zeit als ein Kunstwerk bezeichneten, das nur dann wirkt, wenn niemand darin ist. Die Planungs- und Bauzeit dauerte von 1982 bis 1990. Von außen betrachtet wirken die einzelnen Stockwerke wie schiefe Ebenen. Dahinter steht das Konzept des „arbeitenden“ Museums. Das heißt, das Gebäude soll wie eine Einladung wirken, in einer abwärts verlaufenden „Raum-Zeit-Spirale“ durch die Sozial- und Industriegeschichte des deutschen Südwestens zu wandern.
Das Museum zeigt wie ein veredelter Rohbau sein Tragwerk. Das gilt allerdings nicht für den Kopfbau im Westen. Der Hauptteil des Gebäudes besteht aus einer Stahlskelett-Verbund-Konstruktion mit ausbetonierten Doppel-T-Stützen und -Trägern, die trotz schwerer Lasten und großer Spannweiten die erforderliche Tragfähigkeit und Steifheit gewährleistet. Ursprünglich war noch ein zweiter Bauabschnitt geplant. Aufgrund zunehmender Finanzknappheit der öffentlichen Haushalte wurde diese Planung bis heute nicht umgesetzt. Aufgrund seiner Konzeption eine Verbindung zu schaffen, die historische Bezüge und Interaktivität erlaubt, wurde das Museum 1992 mit dem europäischen Museumspreis als „Museum des Jahres” ausgezeichnet.

Längst ist das TECHNOSEUM ein fester Bestandteil der Mannheimer Kulturlandschaft und trägt mit spektakulären Ausstellungen immer wieder dazu bei, dass es auch über die Grenzen der Stadt bekannt wird.
30 Jahre nach der Eröffnung, am Sonntag, den 27. September, feierte das TECHNOSEUM seinen runden Geburtstag mit einer „Ü30-Party” der besonderen Art. Nach dem feierlichen Anschneiden der Geburtstagstorte durch Direktor Hartwig Lüdtke und Bürgermeister Michael Grötsch, strömten gleich so viele neugierige Besucher ins Haus, dass sich am Eingang lange Schlangen bildeten, da coronabedingt nur 500 Besucher gleichzeitig im Museum sein durften. Der Andrang war bei allen Stationen sehr groß und die Besucher ließen sich zeigen, wie man Papier schöpft, eine Druckmaschine aus dem 19. Jahrhundert bedient, oder wie einst Wolle und gewebte Stoffe hergestellt wurden. Natürlich war auch der Tretkran und der Roboter „Paul” im Fokus besonders der jungen Besucher. Außerdem konnte man rote Ballnos mit ganz individuellen Geburtstagsgrüßen in den Himmel steigen lassen und einen Preis gewinnen, wenn dieser dann am weitesten fliegt.

Das TECHNOSEUM präsentierte extra zum Jubiläum auch eine kleine Ausstellung mit besonderen und kuriosen Objekten aus seinen Sammlungsbeständen, wie etwa das Radio in Vasenform, ein Stoffdackel, der einst dem Motorenerfinder Felix Wankel gehörte, oder ein pinkfarbener Autoscooter.
Mehrere Music-Acts unterhielten vor und im Museum die Besucher, dabei kamen eine historische Drehorgel, aber auch Auspuffe und Wasserrohre zum Einsatz. Im Park startete die Feldbahn zu Rundfahrten durch den Museumspark, im Innern des Museums konnte man sich per App auf Schnitzeljagd durch die Dauerausstellung und die Geschichte des Museums begeben, sich einer Kurzführung rund ums Rad oder über das Fliegen anschließen.