TECHNOSEUM MANNHEIM schickt Astronauten-Trainees in die USA

 

„Das Interesse ist überwältigend“, freute sich Prof. Dr. Hartwig Lüdtke, Direktor des TECHNOSEUM bereits nach wenigen Wochen nach dem Start der einzigartigen Mission. Das Mannheimer Museum suchte Deutschlands nächste Astronautin und nächsten Astronauten und 1.587 Bewerbungen aus ganzen Nation gingen ein. „Die Schwerelosigkeit und das All üben eine unbeschreibliche Faszination auf die Menschen aus. Damit treffen wir einen Nerv“, so Lüdtke. Bei der Astronauten-Challenge traten nun im Januar 10 junge Menschen an, einen Zero-Gravity-Flug, inklusive vorbereitendem Astronautentraining im Kennedy Space Center in den USA, zu gewinnen. Das TECHNOSEUM führte diese ungewöhnliche Aktion im Rahmen der von ihm gegründeten Initiative „Jugend für Technik“ durch, um junge Menschen für die vielfältigen Möglichkeiten der Technik zu begeistern. 

Aus allen gültigen Bewerbungen wählte das TECHNOSEUM acht Finalisten, vier weibliche und vier männliche. Kriterien für die Auswahl waren Originalität und Kreativität des eingereichten Bewerbungsvideos. Auch die Öffentlichkeit konnte mitwählen: Die Bewerbungsvideos von 20 Bewerbern (je zehn weiblichen, je zehn männlichen) wurden auf YouTube veröffentlicht. Dort fand dann eine Publikumsabstimmung statt. Die Bewerberin und der Bewerber, deren Videos die meisten Likes erhielten, wurden als Finalistin Nummer 9 und Finalist Nummer 10 nominiert. 

Die Entscheidung fällt am Challenge-Day 

Die zehn Finalisten wurden Ende Januar 2020 zum Challenge Day ins TECHNOSEUM eingeladen. An diesem Tag mussten sie verschiedene Aufgaben bewältigen, die geistige und körperliche Geschicklichkeit voraussetzen. Die Leistungen wurden von einer prominent besetzten Jury bewertet. Die Finalistin, die im Kreis der weiblichen Teilnehmerinnen die höchste Punktzahl erzielte, und der Finalist, der im Kreis der männlichen Teilnehmer die höchste Punktzahl erzielte, gewannen jeweils den Zero-Gravity-Flug – und werden in den USA das einzigartige Gefühl der Schwerelosigkeit erleben. 

Hochkarätige Jury der Astronauten-Challenge 

Die vier Jurymitglieder beschäftigen sich alle intensiv mit der Raumfahrt und sind somit die Idealbesetzung einer Auswahl von Fachleuten, die gemeinsam die Entscheidung treffen werden, wer den begehrten Preis gewinnen wird. Allen voran Hans Schlegel. Er ist Astronaut und war zweimal im All: 1993 im Rahmen der Deutschen Spacelab-Mission D-2 und 2008 als Missions-Spezialist auf einer NASA-Mission zur Internationalen Raumstation, bei der das Europäische Raumlabor Columbus angedockt und in Betrieb genommen wurde – ein siebenstündiger Weltraumspaziergang inklusive. Eine weitere deutsche Mission zur russischen Raumstation „Mir“ betreute er 1997 vom Boden aus und ist seitdem auch ausgebildeter Bordingenieur für Sojus-Raumschiffe. Als leitender ESA-Astronaut bereitet Schlegel bis heute künftige ISS-Mannschaften auf ihre Einsätze vor. Prof. Dr. Harald Hiesinger ist Professor für Geologische Planetologie an der Universität Münster. Er forscht unter anderem zum Mond, dem Mars und Asteroiden. Aktuell ist er mit seiner Arbeitsgruppe u.a. beteiligt an der Merkur-Mission BepiColombo des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt und einer der Projektleiter von PLANMAP, einer internationalen Kooperation mehrerer europäischer Universitäten zur Kartierung des Mondes, des Mars und des Merkur. In Anerkennung seiner Verdienste benannte 2014 die Internationale Astronomische Union einen Asteroiden nach ihm. Claudia Kessler ist Diplom-Ingenieurin für Luft- und Raumfahrttechnik und blickt auf 30 Jahre Berufserfahrung in der Raumfahrtbranche zurück. 2009 gründete sie das Netzwerk „Women in Aerospace Europe“ und 2016 die aus Spenden und mit der Unterstützung der Regierung und der Wirtschaft finanzierte Initiative „Die Astronautin“, die 2020 die erste deutsche Astronautin zur Internationalen Raumstation schicken will. Maiken Nielsen ist Schriftstellerin und Journalistin. 2019 veröffentlichte sie den Roman „Space Girls“ über die „Mercury 13“, einer Gruppe Pilotinnen, die in den 1960er Jahren einen Astronautentest erfolgreich absolvierte – und dennoch von der NASA nicht berücksichtigt wurde, da die Behörde ausschließlich Männer auswählte. 

Nächster Stopp Florida

Luisa Winterstein (20, Bonn) und Daniel Gäckle (22, Calw) gingen als Sieger aus der Astro-Challenge hervor. Sie starten demnächst in die Schwerelosigkeit, denn sie holten beim Challenge-Day die meisten Punkte und setzten sich damit gegen die anderen acht Final-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer durch. Ihr Preis ist ebenso einzigartig und spektakulär, wie abenteuerlich. Bei Tests unter anderem zur Reaktionsgeschwindigkeit, zum Astronomie-Allgemeinwissen, bei Mathematikaufgaben und Roboterbau wurden nicht nur naturwissenschaftliches Wissen und technisches Geschick, sondern auch Teamwork und Stressresistenz getestet. „Die Sehnsucht All treibt die Menschen an. Es war beeindruckend zu sehen, mit welcher Leidenschaft und Energie die zehn Finalisten am Challenge-Day im TECHNOSEUM um Punkte gekämpft haben“, so TECHNOSEUM-Direktor Prof. Dr. Hartwig Lüdtke. „Einmal mehr wurde deutlich wie viel Faszination von Technik ausgeht und wie weit sie uns bringen kann – bis in die Schwerelosigkeit.“ Während Luisa Winterstein beruflich eher in die künstlersiche Welt einsteigen will und somit als Studentin für 3D-Animation und Digital Effects nicht unbedingt eine Referenz-Ausbildung für Astronautinnen hat, ist Daniel Gäckle sicher, dass sein Weg ins All führen wird. Als Mechatronic-Student hofft er, dass er eines Tages bei Missionen zum Mond, oder viel besser noch, zum Mars dabei sein wird. Seit vielen Jahren  brennt der charmante junge Mann für die Raumfahrt und „inhaliert“ alle Dokus und Indorationen zu diesem Thema. Aber auch Luisa Winterstein, die beim Astro-Slam-Contest beim Challenge-Day mit einem eigens gereimten Lied auf die Raumfahrt brillieren konnte, ist sehr Astro-affin und interessiert sich für alles, was auf diesem Gebiet alles passiert und passierte. Beide schwärmten nach ihrer Siegerehrung, noch voller Adrenalin, von diesem tollen Tag im Technoseum: „Die Mitsteiter waren super und es herrschte eine unglaublich harmonische Atmosphäre. Dass wir natürlich auch noch einen Astronauten persönlich kennenlernen durften, krönte alle unsere Erwartungen“, so Daniel Gäckle.

Auch Hans Schlegel, erfahrener ESA-Astronaut und NASA-Berater, hielt die Aktion des Technoseums für eine fantastische Initiative zur Förderung weltraumbegeisterter junger Menschen. „Ich habe hier sehr nette Menschen mit enormen Begabungen kennengerlernt und finde es großartig, dass diese nun die Möglichkeit bekommen ihr Interesse und ihre Leidenschaft für die Raumfahrt mit diesem Erlebnis in den USA ausleben können!“ Vielleicht erkennen wir Daniel Gäckle eines Tages als potentiellen deutschen Astronauten wieder und drücken ihm die Daumen, dass seine Zukunft mit der der europäischen Raumfahrt eng verknüpft bleiben möge.

 

Bericht und Fotos: Thomas Henne